Lesung am 10. Februar: Deutschpop halt’s Maul!

Frank Apunkt Schneider plädiert für eine Ästhetik der Verkrampfung. Eine Kampfansage gegen die Versöhnung mit der neuen deutschen Popidentität.

Die Lesung beginnt um 20 Uhr (Einlass 19.30), der Eintritt ist frei.

Popmusik auf Deutsch war lange Zeit undenkbar. Denn Popkultur war das vielleicht wichtigste ­Reeducation-Programm, das die Alliierten den ­Deutschen auflegten. Sie überschrieb die ­deutsche Kultur und entfremdete die Kids von Scholle und Volksgemeinschaft.

Erst mit Punk entstanden deutsche Texte, die sich zur Kolonialisiertheit durch Pop bekannten. Und als aus der guten alten BRD ­wieder hässliches neues ­Deutschland geworden war, verstärkten Bands wie Kolossale Jugend oder die ­frühen Blumfeld (nicht zu verwechseln mit den späten) die Dissonanzen. Ihre Sperrigkeit war eine Abfuhr ans neu verordnete Wir-Gefühl. Aber in ihrem Windschatten entstand eine neue Generation, die endlich ganz unverkrampft deutsch singen wollte. Tomte, Kettcar oder Klee sangen (noch…) nicht für Deutschland, aber ihr kleinbürgerlicher Gemüts­indiepop passte gut zum Entkrampfungsbefehl der Berliner Republik.

An das, was dafür aufgegeben wurde, will Frank Apunkt Schneider erinnern, indem er vom ­»Fremdwerden in der eigenen Sprache« (NDW) erzählt, von der Material­ästhetik der Verkrampfung (Hamburger Schule), von der unglaublich seltsamen Unmöglichkeit deutscher Popaffirmation (Schlager) und natürlich von der ­Hässlichkeit des Unver­krampften.

Mit Witz und Cleverness wird das Buch jeden begeistern, der für Musik brennt. (Bayrischer Rundfunk)

Mit einer bisweilen bis zur Polemik pointierten Radikalität trifft er die Verhältnisse analytisch in ihrem Kern. (Frankfurter Rundschau)

Von ihren Anfängen in der Nachkriegsgesellschaft bis zur Gegenwart: Die Bandbreite der Beschreibung reicht von Freddie Quinn bis zu Frei.Wild. Und auf jeder Seite spürt man das Unwohlsein, das den Autor bei diesem Thema begleitet. (Deutschlandfunk)

Kino am 15. Januar: Asta Upset

Zum ersten Mal zeigen wir im Makro einen Langfilm. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr), der Eintritt ist frei. 

ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN (Asta Upset) spielt in einer von allen Nebensächlichkeiten befreiten „Berliner Republik“ heute, es geht um Kunstproduktion, Kreativwirtschaft – insbesondere aber um Film und Kino – ein politisches Manifest im Spielfilmformat. Die Hauptfigur Asta Andersen, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, ist eine moderne Kämpferin, tough, durchgestlyed, theoriegestählt, das gängige Vokabular der Kulturszene perlt ihr elegant von den Lippen. Durch Äußerungen in einem Radio-Interview verscherzt sie es sich mit ihren Geldgebern, öffentliche Mittel werden auf Eis gelegt. Im Kampf um die Finanzierung ihrer Ausstellung „Das Kino. Das Kunst“, für die Hannelore Hoger unhörbare Empfehlungen in das Ohr des Bundespräsidenten flüstert, sucht sich Asta schließlich internationales „backing“ bei einem indischen Freund, der zum Glück zufällig vor Ort ist, als es irgendwo im Grünen zur folgenreichen Begegnung mit ihrer Widersacherin, Frau Ober-Kultur-Intenzentin, kommt. Der Film ist eine vergnügliche Vivisektion der Kulturbranche und ihres unbehaglichen Arrangements mit falschen Verhältnissen.

»Zusammengehalten wird der Film von – neben einer großartig stolzratlosen Hauptdarstellerin und einem bestechenden Set- und Kostümdesign – zwei Thesen, die trotz aller Einklammerungen durchschlagen: Zum einen, dass es ein Skandal ist, dass experimentelle und politische Bewegtbildgenres (wie Fassbinders 70er-Jahre Fernsehserie „Acht Stunden sind kein Tag“) aus der großen Öffentlichkeit des Fernsehens und des Kinos verschwunden sind und im exklusiven Kunstraum einer exklusiven Öffentlichkeit vorbehalten bleiben. Zum anderen, dass dieser Kunstbetrieb, der hier von adlig säuselnden, ewigen höheren Töchtern beherrscht wird, kritische Positionen nur zur Dekoration zulässt, aber eigentlich eben bestraft.« (Diedrich Diederichsen)

»ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN ist nun das Update eines genuin politischen Kinos unter gegenwärtigen Produktionsbedingungen, die selbst kritische Außenpositionen bereits institutionalisiert haben.« (TAZ)

� Max Linz, D 2014, 84 Minuten.

Briefe vom Makro

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