Das Horst-Wessel-Haus

Das heute von uns genutzte Haus hat eine düstere Vergangenheit. In dem Gebäude, das ursprünglich das Hotel Terminus beherbergt hatte, zogen 1933 die Mülheimer Nazis mit ihrem Chef Karl Camphausen ein. Im Volksmund wurde es fortan das „braune Haus“ genannt – offiziell hieß die Geschäftsstelle Horst-Wessel-Haus. Wessel, ein umgekommener SA-Mann, wurde von den Nazis zum Märtyrer stilisiert. Das „Horst-Wessel-Lied“ war die Hymne der Partei und quasi zweite Nationalhymne. Wessel hatte einige Jahre in Mülheim gelebt, als sein Vater Pfarrer auf dem Kirchhügel war.

In der Zeit des deutschen Nationalsozialismus wurde die jüdische Gemeinde der Stadt völlig vernichtet. Von 600 Mitgliedern sind nach Krieg und Shoah nur 39 nach Mülheim zurückgekehrt. Die Seite muelheim-ruhr-1933-45 berichtet: „234 Mülheimer Juden wanderten aus oder flüchteten. 263 jüdische Mitbürger wurden von den Nazis ermordet. 63 Mülheimer Juden entzogen sich der Verfolgung, Demütigung und Vernichtung durch Selbstmord. 52 jüdische Schicksale blieben unbekannt.“ Diese Geschichte ist eng mit dem Haus verwoben, das wir heute als Makroscope nutzen. Wir hoffen, dass den Nazis unsere Arbeit nicht gefallen hätte.

Nach dem Krieg zog das – bereits damals traditionsreiche – Schreibwaren-Kaufhaus Prüßmann in der Hindenburgstraße 48 ein, die heute Friedrich-Ebert-Straße heißt. Seit 2007 befindet sich Prüßmann in der Wallstraße 5.

Hotel Terminus, circa 1910
Hotel Terminus, circa 1910
Die NSDAP-Ortsgruppe im Horst-Wessel-Haus
Die NSDAP-Ortsgruppe im Horst-Wessel-Haus
Das Prüßmann-Kaufhaus in den 1960ger Jahren
Das Prüßmann-Kaufhaus in den 1960ger Jahren